NDR berichtet: „Studenten-Demo: Die Wut auf ihrem Höhepunkt“

Der Protestzug der Studierenden führt durch die Schweriner Innenstadt. © NDR Fotograf: Johann Mikkat

Rund 2.000 Studenten, Dozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter aus allen Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern haben sich am Dienstag vor dem Schweriner Schloss versammelt, um auf die Finanzlage der Einrichtungen aufmerksam zu machen. Im Finanzausschuss im Schloss zeichneten die Rektoren derweil ein dramatisches Bild der Finanzlage ihrer Hochschulen. Sollte das Land in den kommenden zwei Jahren nicht mehr Geld zur Verfügung stellen, müssten Stellen von Professoren und anderen Mitarbeitern unbesetzt bleiben.

Rund 2.000 Studenten protestieren vor dem Schloss
Vor dem Schloss hielten die rund 2.000 Studierenden derweil ihre landesweite Vollversammlung ab. Diese war nach Schwerin verlegt worden, um dem Vortrag der Rektoren mehr Nachdruck zu verleihen. Die Organisatoren hatten von 3.000 Studenten gesprochen. Wie NDR 1 Radio MV berichtete, reisten allein aus Greifswald 900 und aus Rostock mehr als 500 Studierende an. Vom Bahnhof aus zogen die Protestler friedlich durch die Landeshauptstadt. An der Staatskanzlei übergaben sie eine Petition an den Staatssekretär des Bildungsministeriums, Sebastian Schröder, und den Chef der Staatskanzlei, Christian Pegel. Darin fordern rund 10.000 Unterzeichner eine höhere Priorität für Bildung.

„Bildungsbremse, Nein Danke“
Die Demonstranten hielten Protestschilder mit „Bildungsbremse, Nein Danke“ und „Bildung gibt es nicht im Ausverkauf“ hoch. Schon jetzt mache sich die knappe Ausstattung an allen Universitäten und Hochschulen im Land bemerkbar, hieß es. Mit dem neuen Doppelhaushalt, so die Befürchtung, werde sich das noch verschärfen – die Lücke zwischen dem Finanzbedarf und den Landeszuweisungen noch größer werden. Allein der Uni Rostock würden dann mehr als 20 Millionen Euro fehlen.

Schließung von Studiengängen als letztes Mittel?
An der Universität Greifswald wären 44 Stellen betroffen, sagte Rektorin Johanna Weber am Dienstag in einer Anhörung des Ausschusses. Möglicherweise müssten dann auch Studiengänge geschlossen werden. Es wären nicht die ersten. Das Lehramt für Mathematik und Naturwissenschaften gibt es schon nicht mehr, die Romanistik auch nicht. Studentenvertreter berichteten von überfüllten Hörsälen und langen Wartelisten für Lehrveranstaltungen. So seien Regelstudienzeiten kaum einzuhalten, sagte ein Vertreter des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) der Universität Rostock.

Prekäre Jobs an den Hochschulen
Die angespannte Lage macht auch vor dem Personal nicht Halt. Es gibt immer mehr prekäre Jobs an den Hochschulen. Viele wissenschaftliche Mitarbeiter sind nur befristet und in Teilzeit angestellt. Doktoranden können nicht weiterforschen, weil die Gelder fehlen, manche Lehrinhalte werden nur noch über freie Lehraufträge abgesichert, wie die Landeschefin der Wissenschaftsgewerkschaft GEW, Annett Lindner, kritisierte: „Wir haben zum Beispiel an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock 70 Prozent Lehrbeauftragte, die noch nicht einmal den Mindestlohn kriegen, weil sie sich auch noch selbst versichern müssen. Das ist bundesweit ein Spitzenwert.“

Brodkorb verweist auf Millionen-Erhöhungen
Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) stellte eine Erhöhung der Hochschul-Landesmittel in Aussicht. 17 Millionen Euro werde das Land in den kommenden zwei Jahren drauflegen. Damit könne der Hochschulbetrieb auf gutem Niveau fortgeführt werden, so Brodkorb.

„Wut hat ihren Höhepunkt erreicht“
Die Vertreter der Studierenden sehen das freilich anders. Die Landesmittel würden immer noch nach Prognosen berechnet, die Jahre zurückliegen. Die Zahl der Studierenden habe sich mittlerweile fast verdoppelt, das müsse berücksichtigt werden forderte der Greifswalder Studierendenvertreter von Malottki, die Wut habe nun ihren Höhepunkt erreicht: „Wir haben jahrelang die ganzen Kürzungen geschluckt. Jetzt erleben wir, dass sozusagen wieder eine neue Kürzungsrunde kommt. Die Studierenden wollen wirklich was verändern, weil sie nicht verstehen, warum Bildung so sträflich vernachlässigt wird.“

(Quelle: abgeschrieben von NDR.de)

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